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Außerklinische und ambulante Intensivpflege – was ist das?

Infolge medizintechnischer und pflegewissenschaftlicher Entwicklungen ist es möglich, schwerkranke vor allem beatmete Menschen in ihrer Häuslichkeit zu pflegen. Bis vor wenigen Jahren konnten Kinder bzw. Erwachsene mit intensivpflegerischem Aufwand ausschließlich in stationären Pflegeeinrichtungen betreut werden. Insbesondere die fehlende Möglichkeit einer außerklinischen Beatmung stellte das größte Hindernis für eine Versorgung in den eigenen vier Wänden dar.

Die so genannte S2-Leitlinie „Nichtinvasive und invasive Beatmung als Therapie der chronischen respiratorischen Insuffizienz“ der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (als zuständige Fachgesellschaft) aus dem Jahr 2009 hat die notwendigen Standards für die außerklinische Intensivpflege definiert.

Ziele der S2-Leitlinie sind unter anderem:

  • Darstellung der Indikationen einschließlich des geeigneten Zeitpunkts zur Einleitung einer außerklinischen Beatmung
  • Festlegung des diagnostischen und therapeutischen Vorgehens bei Einleitung der Beatmung
  • Vorgehen bei Überleitung in die außerklinische Beatmung
  • Festlegung von Anforderungen an die technische und personelle Ausstattung von Institutionen, die bei der Behandlung von Patienten mit außerklinischen Beatmung beteiligt sind
  • Aufstellung von Kriterien zur Qualitätssicherung bei der außerklinischen Beatmung

Außerklinische und ambulante Intensivpflege bedeutet einen sehr hohen Aufwand an Fachpflegepersonal. Dieser hohe personelle Aufwand ergibt sich nicht nur aus der S2-Leitlinie, sondern entspricht zugleich dem in der Pflege allgemein verfolgten Grundsatz „ambulant vor stationär“. Technischer Fortschritt und wissenschaftliche Pflegestandards tragen im Ergebnis dazu bei, dass Menschen mit intensivpflegerischem Versorgungsbedarf in ihrer Häuslichkeit besser genesen und länger leben. Vor dem Hintergrund der UN-Behindertenrechtskonvention ermöglicht ambulante Intensivpflege außerdem die Integration von schwerkranken Menschen in ein soziales/familiäres Umfeld. Dieser Aspekt gewinnt hinsichtlich der inklusiven Teilhabe von etwa heimbeatmeten Kindern an einem regulären altersgerechten Alltag zusätzlich an Bedeutung.